Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom

Praxisleitfaden zur GOÄ-Abrechnung in der Chirurgie: Positionen, Voraussetzungen und Dokumentation für „Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom“.

FachgruppeChirurgie
KernpositionenGOÄ-Nr. 2427
Nur bei ZusatzleistungGOÄ-Nr. 442
GOÄ-Abrechnung für Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom

Zweck und Anwendbarkeit

Wofür ist diese Ziffernkette gedacht?

Senkt akut erhöhten Gewebedruck durch ausreichende Faszienspaltung und schützt dadurch Muskulatur und Nerven vor irreversibler Ischämie. Der Eingriff umfasst tiefreichende, die Faszie und die darunterliegenden Körperschichten durchtrennende Entlastungsinzisionen.

Wann ist sie anwendbar?

Bei klinisch dringendem oder druckmessgestütztem Kompartmentsyndrom; die zeitkritische Indikation ergibt sich aus Schmerz, Spannungszustand und neurologisch-vaskulären Zeichen. Erforderliche Kernleistung: Tiefreichende, die Faszie und die darunterliegenden Körperschichten durchtrennende Entlastungsinzisionen; sie muss tatsächlich erbracht und dokumentiert sein.

Fachlicher Kontext

Im konkreten Fall stehen Kompartmentsyndrom, Fasziotomie, Entlastungsinzision im Mittelpunkt. Für die Auswahl der Wund- oder Eingriffsposition sind Größe, Tiefe, Verschmutzungsgrad, Gewebeschädigung und die konkrete Versorgungstechnik maßgeblich. Anästhesie- oder OP-Zuschläge setzen einen eigenständigen, dokumentierten Leistungsinhalt und die jeweiligen Abrechnungsbedingungen voraus.

GOÄ-Ziffern und Voraussetzungen

Für „Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom“ bildet GOÄ-Nr. 2427 die Kernleistung. GOÄ-Nr. 442 ist nur bei dem jeweils beschriebenen zusätzlichen oder alternativen Leistungsinhalt zu prüfen.

PositionRolleEntscheidende Voraussetzung
GOÄ-Nr. 2427KernpositionTiefreichende, die Faszie und die darunterliegenden Körperschichten durchtrennende Entlastungsinzision(en) – auch mit Drainage(n)
GOÄ-Nr. 442Bedingt / alternativZuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen, die mit Punktzahlen von 250 bis 499 Punkten bewertet sind. Nur bei ambulanter Durchführung, nur wenn die Hauptleistung im abschließenden Katalog des Abschnitts C VIII steht; je Behandlungstag nur der nach der höchstbewerteten zuschlagsfähigen Einzelleistung passende OP-Zuschlag.

Wichtig: Die Tabelle beschreibt Entscheidungspunkte, keine automatisch abrechenbare Pauschale.

Weitere Angaben zu den Positionen

GOÄ 442

Bedingte oder alternative Position

Hinterlegter Faktor: 1

Abgrenzung zu ähnlichen Abrechnungsfällen

Diese Seite beantwortet ausschließlich die Abrechnungsfrage zu „Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom“. Fachlich nah, aber nach Leistungsumfang getrennt zu prüfen, sind „Eröffnung einer Phlegmone“ und „Behandlung einer nicht primaer heilenden oder entzündeten Wunde“. Die eigene Seite jeder Variante verhindert, dass unterschiedliche Indikationen, Verfahren oder Zusatzleistungen zu einer pauschalen Kette vermischt werden.

Dokumentation für diesen Abrechnungsfall

Lokalisation, Ausdehnung und Tiefe des Befunds, Kontaminations- oder Entzündungszeichen, Versorgungstechnik, Anästhesie und Wundverschluss.

Klinischer Bezug der Dokumentation: Kompartmentsyndrom, Fasziotomie, Entlastungsinzision.

GOÄ-Nr. 2427: vollständige Durchführung und patientenbezogene Befunddokumentation.

Nur bei ambulanter Durchführung, nur wenn die Hauptleistung im abschließenden Katalog des Abschnitts C VIII steht; je Behandlungstag nur der nach der höchstbewerteten zuschlagsfähigen Einzelleistung passende OP-Zuschlag.

Behandlungstag, Leistungserbringer und Zuordnung jeder Position zum konkret dokumentierten Leistungsabschnitt.

Praxisbeispiel

Konkreter Leistungsablauf

Dokumentierter Beispielfall: Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom. GOÄ-Nr. 2427 wird mit dem vollständigen Leistungsinhalt dokumentiert. Für GOÄ-Nr. 442 muss zusätzlich gelten: Nur bei ambulanter Durchführung, nur wenn die Hauptleistung im abschließenden Katalog des Abschnitts C VIII steht; je Behandlungstag nur der nach der höchstbewerteten zuschlagsfähigen Einzelleistung passende OP-Zuschlag.

Typische Fehler in diesem Abrechnungsfall

1.

Kleine und große Wunden oder oberflächliche und tiefe Befunde werden ohne dokumentierte Größen- beziehungsweise Tiefenmerkmale gleich eingeordnet.


2.

GOÄ-Nr. 442 wird ergänzt, ohne folgende Voraussetzung zu belegen: Nur bei ambulanter Durchführung, nur wenn die Hauptleistung im abschließenden Katalog des Abschnitts C VIII steht; je Behandlungstag nur der nach der höchstbewerteten zuschlagsfähigen Einzelleistung passende OP-Zuschlag.


3.

„Tiefe Entlastungsinzision bei Kompartmentsyndrom“ wird mit einer fachlich verwandten, aber im Leistungsumfang abweichenden Kombination gleichgesetzt.

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Autor des Artikels

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von unserem Gründer und Geschäftsführer Felix Vogel erstellt. Er beschäftigt sich täglich mit GOÄ-Prozessen, Rechnungsstellung und modernen Alternativen zur klassischen Rechnungsabtretung.